SAFEspace@work

Interaktionsarbeit sicher, achtsam, fair und einbeziehend gestalten

SAFEspace@work ist ein INQA-Experimentierraum des BIT e.V., der Universität Hohenheim und des Demographie Netzwerks e.V. (ddn). Ziel ist es, psychologische Sicherheit in der Interaktionsarbeit in kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) zu stärken, besonders für Beschäftigte, die besonderen Belastungen, erhöhten emotionalen Anforderungen oder Diskriminierungsrisiken ausgesetzt sind.

Warum SAFEspace@work?

Rund 60 % aller Beschäftigten arbeiten in interaktionsintensiven Rollen und stehen in direktem Kontakt mit Kund*innen, Gäst*innen, Klient*innen etc., etwa im Fahrdienst, in der Pflege, im Kund*innensupport, im Sozialen Bereich oder in Dienstleistungsberufen. Diese Tätigkeiten sind geprägt von:

  • hohen emotionalen Anforderungen
  • unvorhersehbaren Situationen
  • knappen Zeitressourcen
  • erhöhtem Risiko für Konflikte, Grenzverletzungen oder Diskriminierung
  • besonderen Belastungen für diverse und marginalisierte Beschäftigtengruppen

Viele dieser Rollen werden von Beschäftigtengruppen ausgeübt, die ohnehin ein höheres Risiko für Benachteiligung oder Diskriminierung tragen, etwa ältere Mitarbeitende, Frauen, Beschäftigte mit internationaler Geschichte oder andere marginalisierte Gruppen. Diese gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen, weil sie überdurchschnittlich häufig Diskriminierung, Respektlosigkeiten oder Herabwürdigung durch Kund*innen, Patient*innen oder Gäst*innen erleben, höhere emotionale Belastungen tragen, da sie häufiger Ziel von Frust, Projektionen oder verbaler Aggression werden, strukturelle Benachteiligungen in Hierarchien oder Arbeitsorganisation erfahren, weniger Möglichkeiten haben, Grenzverletzungen klar zurückzuweisen, ohne Nachteile befürchten zu müssen, sowie häufiger in Bereichen arbeiten, in denen Zeitdruck, Personalmangel und Stress besonders ausgeprägt sind.

Gleichzeitig werden Belastungen der Interaktionsarbeit in der betrieblichen Gestaltung häufig unterschätzt. SAFEspace@work setzt genau an dieser Lücke an.

 

 

Projektziele

SAFEspace@work verfolgt fünf zentrale Ziele:

  • Psychologische Sicherheit stärken: In belastenden Interaktionssituationen – insbesondere für vulnerable Beschäftigtengruppen.
  • Belastungsarme, inklusive Arbeitsbedingungen schaffen: Durch partizipative Gestaltung und diversitätssensible Organisationsentwicklung.
  • DEI (Diversity, Equity & Inclusion - Vielfalt, Chancengerechtigkeit & Teilhabe)-Kompetenz & Führung stärken: Zur Prävention von Diskriminierung, Grenzverletzungen, respektlosem Verhalten und zur Förderung einer sicheren Teamkultur.
  • Praxistaugliche Maßnahmen & Tools entwickeln: z. B. Trainings und Workshops, Sensibilisierung für Interaktionsbelastungen, Methoden der emotionalen Regulation, Werkzeuge zum Umgang mit herausfordernden Kund*innen/Patient*innen/Klient*innen etc., Maßnahmen zur Resilienzförderung
  • Nachhaltigen Transfer sichern: Durch Evaluation, Standardisierung, Best‑Practice‑Sammlung und die Verankerung in Netzwerken.

Warum psychologische Sicherheit?

„Psychologische Sicherheit ist die gemeinsame Überzeugung aller Mitglieder eines Teams, dass es (innerhalb des Teams) sicher ist, zwischenmenschliche Risiken
einzugehen.“

Edmondson, 1999

Positive Effekte

  • höhere Produktivität
  • mehr Kreativität
  • bessere Teamleistung
  • weniger Stress & geringere Kündigungsabsicht
  • mehr Offenheit im Umgang mit Fehlern
  • bessere Prävention von Risiken

Warum Diversität in Interaktionsarbeit entscheidend ist?

Interaktionsarbeit lebt von Kommunikation, emotionaler Intelligenz, Empathie und Beziehungsarbeit. In solchen Kontexten profitieren Teams, Organisationen und Kund*innen besonders stark von Diversität, weil unterschiedliche Perspektiven, kulturelle Hintergründe, Altersgruppen oder individuelle Lebenserfahrungen:

  • eine höhere Beziehungs‑ und Kommunikationskompetenz ermöglichen,
  • Konflikte besser verstehbar und lösbar machen,
  • Zugänge zu vielfältigen Kund*innen-/Klient*innengruppen verbessern,
  • Sicherheits- und Schutzfaktoren für marginalisierte Beschäftigte selbst schaffen,
  • kulturell sensiblen, gerechten und respektvollen Umgang im Team stärken,
  • psychologische Sicherheit fördern. 

Diversität ist damit kein „Nice-to-have“, sondern ein qualitativer Erfolgsfaktor für Branchen, in denen Interaktion das Kernelement der Arbeit ist.

Forschungsschwerpunkte

  • Mechanismen psychologischer Sicherheit in belastenden Situationen
  • Einflussfaktoren auf Interaktionsarbeit (Individuum, Team, Organisation)
  • intersektionale Belastungs‑ und Bewältigungsmuster
  • Entwicklung & Evaluation partizipativer Maßnahmen
  • Benchmarking‑Studie (vier Erhebungszeitpunkte: Juni, Sept, Nov 2026 & Jan 2027)

Praxispartner*innen

Bremische Volksbank Weser-Wümme eG, Bremen

Interkultureller Sozialdienst GmbH, Hannover

Restaurant Mandragora, Bochum

BECKDESIGN GmbH, Bochum

BOGESTRA, Bochum

Saarbrücker Altenwohnstift (Assoziierter Partner), Saarbrücken

Transferpartner*innen

Handelsverband NRW Westfalen‑Münsterland e.V.

ver.di

Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V.

Laufzeit

Dezember 2025- November 2027

Förderung

Der INQA-Experimentierraum SAFEspace@work wird über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) sowie der Richtlinie „Unternehmen und Verwaltungen der Zukunft: INQA-Experimentierräume“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert. Das Projekt wird durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fachlich begleitet.

Unsere Ansprechpartner*innen

Lucie Stecker

Projektleitung

Tel: +49 30 72621393-3
E-Mail: stecker@ddn-netzwerk.de

Tobias Berens

Projektleitung

Tel: +49 234 92231-48
E-Mail: tobias.berens@bit‑bochum.de